Panoramablick mit Burg

Serie „Ich bin dann mal da“ – Lauchheim lohnt sich – zu Besuch in der kleinsten Stadt im Ostalbkreis

Als Erstes gibt es ein Lauchheimer Bettelsäckle. Darin stecken die Stadtchronik, ein Stärkungstropfen und ein Regenponcho. „Heute regnet es aber nicht“, sagt Bürgermeister Werner Kowarsch. „Die dunklen Wolken ziehen an uns meist vorbei.“ An diesem Tag bewahrheiten sich des Bürgermeisters Worte.

Lars Reckermann

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Die Wanderer genießen den Panoramablick auf Lauchheim. Rechts: Bürgermeister Werner Kowarsch, daneben Rüdiger Backes.

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Der Eingang zum Friedhof von Lauchheim.

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Blick auf den Barfußpfad. Von diesem Platz aus beginnt eine wunderschöne Wanderstecke.

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Die Wildschützhütte des SAV, sie hat jeden Samstag (außer dem 1. Samstag im Monat) geöffnet.
Bewirtung von 14.30 bis etwa 18 Uhr.

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Ein schmaler Weg mitten durch die Natur führt zum großen Grillplatz.

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Lauchheim lohnt sich. Es gibt eine idyllische Innenstadt mit ganz viel historischem Charme und unverwechselbare Wanderwege, die gleich an mehreren Stellen ein wunderbares Panorama bieten – unter anderem mit Sicht auf die Kapfenburg (links oben).
(Fotos: Lars Reckermann)

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Das obere Stadttor mit der Wappentafel auf der Feldseite.

Lauchheim. Willkommen in der kleinsten Stadt im Ostalbkreis. 5000 Einwohner hat Lauchheim, 20 von ihnen zeigen mir im Rahmen der Sommerserie „Ich bin dann mal da …“ stolz den Ort.
Lauchheim … ja, das ist die Stadt mit der Kapfenburg. Lauchheim ist aber auch die Stadt, die mit einer schnuckeligen Hauptstraße und einem imposanten Stadttor für Nostalgie und schwäbische Gemütlichkeit steht. Die Lauchheimer sitzen im Café, die Hauptstraße zeugt heute noch davon, dass sie einst als Handelsstraße genutzt wurde. Heute macht die B29 aber einen Bogen um den Ort.
Gut so, sage ich. Die Sonne scheint auf den zentralen Marktbrunnen. 20 Lokalpatrioten und Neugierige schließen sich dem Bürgermeister, Rüdiger Backes und mir an. Backes ist der Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins Ortsgruppe Lauchheim. Sein festes Schuhwerk und sein Wanderstock verraten mir: Heute gibt es keinen Stadtbummel, heute wird gewandert. Gottseidank sage ich im Nachhinein. Ich kann jedem Ortsfremden nur raten, sich einer Wandergruppe anzuschließen. Von der Hauptstraße geht es in südliche Richtung über die Mühlgasse und Lindenstraße Richtung Fuchsmühlweg. Am Spielplatz am Sägewerk Müller gibt es eine kurze Pause. „Das wird heute unser Weg werden“, sagt Backes. Er zeigt auf den Naturlehrpfad. Es gibt gute Erklärtafeln und es gibt schlechte Erklärtafeln. Die Tafeln, die uns auf dem Weg begleiten, machen Erwachsenen und Kindern Spaß. Welche Tiere leben im Wald? Welche Baumarten sind zu sehen? Es fällt sofort auf, dass der Albverein die Tafeln pflegt. Alle sind, obwohl seit Jahren im Einsatz, in einem Topzustand.
Wer in Richtung Schützenhaus marschiert, dem fällt die etwas versteckte Jugendhütte auf dem Weg nicht auf. Nur die große Wiese macht etwas stutzig. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben dort einen Rückzugsort – und was für einen. Einmal im Jahr erinnert die Politik daran, dass es Spielregeln in den Hütten gibt, ansonsten hält sich die ältere Generation fern. So bindet man Jugendliche an einen Ort.
Es geht weiter hinauf zur Wildschutzhütte. Wer den kleinen Aufstieg gemeistert hat, der wird mit einem wunderschönen Panorama belohnt. „Kaltgetränk“, fragt Backes in die Runde. Der Blick auf die Kapfenburg und auf die Stadt macht den Geschmack noch sinnlicher. Die Hütte ist bis auf den ersten Samstag eines Monats jeden anderen Samstag von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.
Wer noch nie dort oben war, hat wirklich etwas verpasst. Es geht über einen naturbelassenen Weg zurück Richtung Lauchheim. Immer wieder öffnet sich das Panorama. Immer wieder pausiert die Gruppe. Diese Sicht ist zu schön, um sie nur beim Vorbeigehen zu genießen.
Der Weg hinab in die Stadt wird wieder etwas fester. Es ist nur ein Wimpernschlag und das satte Grün der Wiesen wird durch erste Häuser abgelöst. Lauchheim ist wie so viele Städte und Gemeinden auf der Ostalb aufgeräumt, wirkt dabei aber nicht spießig. Zur Stadt Lauchheim gehören noch die Gemeinden Hülen und Röttingen. Es geht weiter entlang der Friedhofsmauer auf das Stadttor zu, das noch einmal Symbol für die historische Bedeutung der Stadt ist. Ein Blick auf die Wappen am Turm lohnt sich. Hungrig muss kein Besucher die Stadt verlassen. Entlang der Hauptstraße gibt es Einkehrmöglichkeiten. Es gibt auch einen Bahnhof. Das Auto kann also zu Hause bleiben. Dann schmeckt die Halbe am Ende des Tages doppelt so gut.

Schwäbische Post, 15. August 2014

 

 

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